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lebenskunst beginnt beim stil. fröhliche unbekümmertheit mag sympathisch sein. aber es ist die form, die uns im innersten zusammenhält.(nzz 19.09.2018, überschrift zum aufsatz von roman bucheli über den wert der äusseren form)

tenu sportlich elegant! der reiseorganisator markus pfenninger gab den mitreisenden den kleidungsstil vor. die vorgabe ist zwar diffus. ein mix also von rassig funktionaler sportkleidung und garderobe für hochzeitsgäste? nicht doch, aber allen ist klar, was damit gemeint ist: etwas fürs schöne wetter, ein mittagessen auf der restaurant-terrasse am see und einem auftritt im romantischen kirchlein von scherzligen.

der ausflug selbst wird vielen teilnehmenden als schönes, verbindendes erlebnis in erinnerung bleiben. das hat auch mit der szenerie zu tun: der thunersee mit seinen schiffen, den dörfern, schlössern und bergen ringsum; die gemütlichkeit des mittagsmahls, das wir mit dem kanon „chumm doch, chumm doch“ garnieren und promt applaus von den andern gästen erhalten; die herzlichkeit der sängerinnen und sänger des kirchenchors strättligen-thun; die altehrwürdige kirche scherzligen mit ihren wertvollen fresken und ihrer eindrücklichen akustik; der kleine englische park rundherum mit grossen bäumen, die den romantischen durchblick auf die aare freigeben; aber auch damit, dass der chor beim reisen lieder singt.

aber der reihe nach: um halb 10 uhr morgens beginnt die fahrt nach thun mit einem car von eurobus. wir sind 18 sängerinnen und sänger und 5 begleitende partner. die dirigentin christine pellegrini kommt später beim mittagessen dazu. von thun nach spiez reisen wir mit dem schiff. zum mittagessen tafeln wir auf der terrasse des restaurants „riviera“ neben der spiezer schifflände. nach kurzer carfahrt treffen wir bei der kirche scherzligen in thun ein, wo wir dem kirchenchor strättligen begegnen. in der kirche halten wir und der gastgebende chor eine kurze probe ab und singen uns das vorgesehene konzert schon mal vor. das konzert selbst beginnt mit der bedächtigen italienischen melodie aus dem 15. jahrhundert „alta trinità beata“, die wir mit den gastgebern zusammen singen. es folgen weitere kirchenlieder der einzelnen oder vereinten chöre. besonders schön singen die strättliger eine eindringliche intonation des „vater unser“-gebets. den schluss lockert unser chor auf mit „aber gäll, aber gäll, du hettsch mi gärn, aber gäll, du kriegsch mi nit, nai nai!“ und „siyahamba“.

aber den gediegenen abschluss leisten die strättliger choristen. sie laden alle zu einem reichhaltigen apero auf dem grünen rasen bei der kirche ein. - es ist spätsommerlich warm, die langen schatten kühlen die hitzigen sonnenstrahlen, einer unserer sänger hält ein diszipliniertes nickerchen auf einer bank: ein arm hängt locker herunter, der andere aber hütet pflichtbewusst das notenmäppchen. . . - zur unterhaltung liest der schreibende noch einen berndeutschen text von rudolf von tavel aus dem buch „ring i dr chetti“ vor. er berichtet von einer szene, die brugg in verbindung mit spiez bringt. kurz nach der brugger mordnacht (30. juli 1444) erlegt der jüngling adrian von bubenberg im kiental oben verbotenerweise einen bären, den sich sein vater heinrich, der schlossherr von spiez, vorbehalten hat, aber als anführer eines berner kriegstrupps der stadt brugg zu hilfe eilen musste. er kommt aber frühzeitig und missmutig zurück, weil er für die brugger nichts mehr ausrichten konnte. - jetzt aber: wie bestellt fahren während unsrer rückschau auf die ferne vergangenheit auf der nahen aare die beiden thunerseeschiffe „blümisalp“ und „bubenberg“ vorbei zur lände beim bahnhof thun, rückwärts notabene.

vielen dank dem kirchenchor strättligen-thun, dem organisatoren markus pfenninger und andreas gund, dem präsidenten den kirchenchors, und den dirigenten der chöre joseph bisig (thun) und christine pellegrini. (text h. p. huber)

das arme teufeli  -  was nicht stimmt ist auch schön
der sommerhöck wurde nicht verregnet. die wetterprognose für den donnerstag abend war total falsch. von einem gewitter mit sturm und hagel, ausser einigen dicken tropfen, keine spur.
„ich armes welsches teufli, bin müde vom marschieren“. zwar haben wir eine welsche sängerin unter uns, aber ein teufel kann sie nicht sein. teufel sind männlich.
„bin müde, bin müde vom marschiern“. quatsch! wir alle kamen mit dem auto. auch die velofahrer liessen sich vom wetterbericht beeinflussen. sie liessen sport und ökologie für einmal bei seite.
die bestens gelaunten ankömmlinge bekamen sofort einen trunk aus reini bertschis weinkeller. und appetit hatten wir auch. eichenbergers und bertschis hatten dafür gesorgt, dass wir ein gediegenes sommermenu serviert bekamen, diesmal wieder an den hübsch dekorierten tischen draussen unter dem grossen vordach: viel salat, viel braten (schweinsfilet, umgeben von viel würzigem fleischkäse) mit köstlichem kartoffelgratin, ein schön angerichteter dessertteller.
der abend verging schnell, aber wir brachten doch nach kurzem einüben und ausprobieren verschiedener stimmlagen und -höhen sogar den teufli-kanon zustande.
„hab verloren mein pfeifli, aus meinem mantelsa-a-a-a-ack“. es trifft nicht zu, dass jemand etwas verloren gehabt hätte und pfeifli brauchten wir nicht. der einzige zigarettenraucher blieb unauffällig (wegen des diesjährigen feuerverbots).
„schad't nichts, ich hab's gefunden, was du verloren ha-a-a-a-ast.“ ist ja nett, etwas nicht-verlorenes zu finden. und soweit sind wir nicht gekommen, dass uns ein unbeteiligter zuhörer so etwas geglaubt hätte. uns fehlte die magie unserer dirigentin. ja, das war einmal, als wir am sommerhöck so innig-schön gesungen haben, dass wir tatsächlich tannige hosen und hagebuchige strümpfe trugen. (hph)